| Fioritura
Blütezeiten der Majolika - Eine Berliner Sammlung
Autor: Tjark Hausmann
Rezension von Steven Goldate
Majolika
ist ein faszinierendes Gebiet innerhalb der reichhaltigenn Geschichte
der Keramik. Diejenigen, die die italienische Majolika des sechszehnten
und siebzehnten Jahrhunderts studiert haben, kommen nicht umhin
in den Bann der zeitlosen Schönheit der Malerie der Renaissancemeister
gezogen zu werden.
Die Majolika hat sich unter Einfluß ostspanischer Töpfer
in Italien im fünfzehnten Jahrhundert entwickelt und erreichte
seine Blütezeit (Fioratura) im sechszehnten Jahrhundert. Eine
weiße Zinnglasur bedekte gelb-braune Irdenware, auf die sich
Kobaltblau, Kupfergrün und Eisenrrot in verschiedenen Tönen
malen ließ. Die Themen umfaßten Familienwappen, Porträts,
Ornament, Bilder aus der Tier- und Pflanzenwelt, religiöse
Darstellungen und Szenen aus der Antike, die zur damaligen Zeit
beliebt waren. Bald wurde auch Goldlüster zur Farbenpalette
dazu addiert. Teller waren ein beliebter Traeger. Mitunter folgten
die Darstellungen der Randung, mit einem zentralen Motiv in der
Mitte. Grotesken waren auch beliebt und in der späteren Periode
tritt die Landschahaftsmalerei häufiger auf.
Während der flache Teller eine ideale Oberfläche darbot,
waren auch andere Formen beliebt, wie z.B. Krüge, Vasen und
Albarellos (der klassische italienische Apothekenbehälter).
Herstellungszentren spezialisierten sich auf verschiedene Motive.
Montelupo, Caffagiolo und Siena konzentrierten sich auf antike Mythologie
und Ornament. In Faenza waren ländliche Szenen und der Prunkteller
beliebt, wohingegen in Deruta schöne Mädchen und religiöse
Szenen häufig vorkamen. Andere bekannte Zentren der Majolikaproduktion
bildeten sich um Gubbio, Castel Durante, Urbino und Pesaro.
Den
Autoren zufolge tritt die italienische Majolika um 1540 einen langsamen
Abstieg an. Es wurden immer noch ‘Meisterwerke’ hergestellt,
aber nicht so häufig, wie in früheren perioden. Die Zentren
der Herstellung wechselten in der Mitte des 16 Jahrhundert zuerst
nach Sizilien, dann im 17 Jahrhundert nach Neapel.
Es gibt nicht viele bedeutende Sammlungen italienischer Majolika
außerhalb Italiens, aber die Berliner Sammlung gehört
dazu. Wem diese Privatsammlung gehört, wird interessanterweise
nicht erwähnt. Tjark Hausmanns Fioritura, das mit ‘Blütezeit’
übersetzt werden kann, nimmt die Form eines Katalogs an. Jede
doppelte Seite beschreibt im Detail eine bestimmte Keramik und was
man vom Hersteller weiss. Es faengt mit der frühen spanischen
Zinnglasur an und arbeitet sich durch die diversen italienischen
Majolikazentren. Im Zuge dieser Behandlungen treffen wir auf verschiedene
bekannte namen: Cipriana Picolpasso, Della Robbia, Guido di Savino,
Nicola di Gabriele Sbraga und viele andere Meister, sowie auch weniger
bekannte Maler.
Dieses grossformatige Buch hat viele qualitative hochwertige Abbildungn
von ausgezeichneten Beispielen der italienischen Majolika und ist
eine Freude zu betrachten und zu lesen. Liebhaber des Genres werden
viel Freude daran haben.
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